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„Mitten im Leben“: So lautet das Motto der kommenden Herbst-/Winter-Spielzeit am Landestheater Dinkelsbühl. Und wird im maßgeschneiderten klassischem Gewand daherkommen: Mit einigen Stücken, die sich auf den Bühnen des Landes durch und durch bewährt haben. Theater ganz ohne Patina und mitten im Leben stehend. Mit Stoffen, die bewiesen haben, dass sie ganz und gar zeitlos sind. Mit Geschichten, die uns etwas über uns Menschen zu erzählen haben und die uns zugleich mit ihrer Poesie und ihrer Sprache berühren können. Und zugleich: mit guter Unterhaltung. Wir zeigen Komödien, die beweisen, dass gutes Entertainment zugleich erkenntnisfördernd sein kann. Wir nähern uns Klassikern, die man keineswegs erst entstauben oder gar aus irgend einem Museum holen muss, um sie heutig werden zu lassen. Und wir wollen unserem Publikum zeigen, was für eine Schau-Lust es ist, mitten in unserem Theater wirklich mitten im Leben zu sein. „Wir freuen uns auf Ihren Besuch, um mit Ihnen einzutauchen in die Höhen und Tiefen menschlichen Daseins“, sagt Intendantin Jasmin Meindl.
Wir spielen ab Oktober 2026:
Kunst
von Yasmina Reza – Deutsch von Eugen Helmlé
Sich streiten können. Miteinander reden, ohne alles in Harmonie zu baden. Auseinandersetzungen ausfechten – und bei alledem immer Freunde zu bleiben? Geht das? Wo befinden sich in unserer modernen Gesellschaft eigentlich die Grenzen der Toleranz? Und was genau ist nochmal Kunst? Mit ihrem Stück „Kunst“ stellt die französische Autorin Yasmina Reza all diese Fragen und beantwortet sie mit der ganzen Kraft französischen Wortwitzes und subtiler Kommunikationsbotschaften. Das Stück dreht sich um drei Freunde, die in Streit geraten über ein Gemälde, das sich einer der
drei gekauft hat: Ist das jetzt moderne Kunst – oder vollkommener Blödsinn, ja gar Betrug? Das Bild wird zum Auslöser einer Debatte, die bisher im Verborgenen schlummernde Konflikte und ganz verschiedene Lebensentwürfe zum Vorschein bringt. Daraus entwickeln sich hoch komische Dialoge zwischen den drei Freunden Serge, Marc und Yvan, die mal mehr, mal weniger freundlich miteinander umgehen.
Wir haben das Stück ausgewählt, weil es ein ausgewiesen gut funktionierender moderner Klassiker der klugen Bühnenunterhaltung ist. Zudem können wir mit dieser Produktion eine Inszenierung wieder aufnehmen, die das Bandhaus Theater Backnang eingerichtet hat. Wir übernehmen das Bühnenbild und die Kostüme und als Gäste zwei der drei Darsteller, zudem wird Andreas Peteratzinger neu mit im Darsteller-Team sein. Jasmin Meindl wird die Wiederaufnahmeproben leiten.
Der zerbrochne Krug
von Heinrich von Kleist
Ein wahrer Klassiker – und mindestens genau so zeitlos wahr: „Der zerbrochne Krug“ ist ein Meisterwerk des Entlarvens, des Zeigens eines falschen Spiels der Macht und des genauen Blicks auf die menschliche Mechanik zwischen Tätern mit Opfern. Dorfrichter Adam muss vor seinem Gericht eine Tat verhandeln, die er selbst begangen hat: Dass das und wie das trotz all seiner Versuche, sich durch sein Amt als Prozessführender rauszuhalten und reinzuwaschen, allmählich ans Lichts kommt, ist hohe Kleistsche Schreibkunst. Kleist leuchtet mit dem Licht der Wahrheit hinter die
Spielregeln der Prozessführung, sägt genüsslich am Thron der Macht und zeigt zugleich die dahinter stehende Tragik. Die Niedertracht des Dorfrichters trifft auf die reine Seele der jungen Eve Rull, ihre Unschuld wird durch die Schuld des Richters regelrecht zerrieben: Die Eve Rull ist eine große Rolle für unsere Schauspielerin Luise Pahlke, als Dorfrichter Adam haben wir als Gast Frank Damerius eingeladen, langjähriger Staatsschauspieler in Nürnberg. Das Regieteam wird dasjenige von „Die Erbschaft“ sein: Klaus Kusenberg als Regisseur, Peter Engel als Bühnenbildner und
Heike Engelbert als Kostümbildnerin. Never change a winning Team!
Wir haben das Stück ausgewählt, weil es auch Schulstoff ist. Weil wir Schülerinnen und Schüler und junge Menschen in unser Theater locken wollen, um ihnen zu beweisen, wie spannend ein Stoff ist, der zwar in Blankversen daherkommt, aber von blanken gesellschaftlichen Wahrheiten erzählt.
Die Affäre Rue de Lourcine
von Eugène Labiche – Deutsch von Elfriede Jelinek
Es gibt Stücke, die sind wie roter Wein: Sind sie edel genug, machen ihnen ein paar weitere Jährchen nicht nur nichts aus, sondern machen sie nur noch reifer, farbsatter, schmackhafter. Das ist auch bei der „Affäre Rue de Lourcine“ so: Lenglumé hat nach einem Treffen mit ehemaligen Mitschülern nicht nur einen riesigen Kater, sondern auch einen klassischen Filmriss. Zudem liegt überraschender Weise sein einstiger Klassenkamerad Mistingue mit ihm im Schlafgemach. Als dann auch noch schwergewichtige Indizien darauf hindeuten, dass sie zusammen im Rausch ein Verbrechen begangen haben, sitzen sie richtig in der Bredouille und versuchen mit immer absurderen Maßnahmen, sich aus dem Verhängnis zu befreien. Diener Potard und Lenglumés Ehefrau Norine kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Man kann an dem Stück ein Meisterwerk des Missverständnisses studieren: Wie ganz einfache Dinge des Alltags durch einen veränderten Blickwinkel völlig neue Belange
bekommen. Wie zwei Herren sich den Alltag durch einen Gewalt-Rausch in lauter Beweismittel gegen sich selbst verwandelt haben, ist herrlich anzuschauen – Paraderollen für unsere Schauspieler Andreas Peteratzinger und Thomas Weber.
Wir haben das Stück ausgesucht, weil es wie auch „Der zerbrochne Krug“ einmal demonstrieren kann, was für ein wunderbares Schauspiel-Ensemble wir am Landestheater Dinkelsbühl haben. Weil wir mit Regisseurin Gisela Maria Schmitz eine Könnerin der Komödie immer wieder gern einladen. Und weil dieser Einakter in Blitzgeschwindigkeit köstliche Unterhaltung bietet: köstlicher Wein in alten Schläuchen.
Der Autor und sein Prinz
von Jasmin Meindl und Christian Muggenthaler
Der französische Schriftsteller und Pilot Antoine Marie Jean-Baptiste Roger de Saint-Exupéry hat mit „Der kleine Prinz“ eine Märchen-Erzählung geschaffen, die sich weltweit über 140 Millionen Mal verkauft hat. Die Geschichte um das kindhafte Wesen, das von einem fernen Planeten stammt, um seine Reisen, seine Freundschaft zu einem in der Wüste abgestürzten Piloten und seine große Liebe zu einer Blume, hat Generationen lang Leserinnen und Leser bezaubert. Und tut das noch heute. Oft landet dieses Märchen dann aber im Kinder-Repertoire. Am Landestheater Dinkelsbühl soll
nun gezeigt werden, dass die Geschichte auch für Erwachsene da ist. Dass es Fragen stellt nach dem Wert der Liebe, wie man sie bemisst, wie man sie erkennt und nährt. Fragen nach dem Sinn eines Daseins, wenn es sich selbst in Absurditäten einhaust. Und nach dem Kern von Religion und Glauben. Wie überhaupt kam der Autor zu diesem seinem Stoff? Auf welche Reise nimmt uns Saint-Exupéry mit und wohin ging seine eigene Biografische Reise? Jasmin Meindl und Christian Muggenthaler nehmen die Geschichte auf, seine Poesie und seine Bilder, erzählen jedoch zugleich von einem
Flieger, der auch Autor und Träumer war. Von einem Erwachsenen, der auch Kind bleiben wollte. Die Schauspielerin Léonie Thelen wird in der Fassung von Intendantin Jasmin Meindl den kleinen Prinzen spielen, viele andere Rollen stellt in diesem Traum der Poesie die Nürnberger Puppenspielerin Kathrin Blüchert mit ihren Spielfiguren dar.
Wir haben uns für den Stoff entschieden, weil wir es mögen, die Geschichten hinter den Geschichten zu entdecken und unser Publikum an diesen Entdeckungen teilhaben zu lassen.
Petterson und Findus bekommen Weihnachtsbesuch
Von Sven Nordqvist – Für die Bühne bearbeitet von Jasmin Sarah Zamani
Weihnachten steht vor der Tür, auch für den eigenbrötlerischen, aber liebenswerten Bauern Pettersson und seinen lebhaften Kater Findus. Eine unglückliche Fußverletzung bringt aber alles durcheinander. Trotz aller Schwierigkeiten und mit viel Humor und Einfallsreichtum gelingt es den beiden, ein unvergessliches Weihnachtsfest zu feiern.
Ein warmherziges Stück für die ganze Familie um Freundschaft, Zusammenhalt und die wahre Magie der Weihnacht. Wir zeigen dieses Stück in Zusammenarbeit mit der Schauspielschule Athanor in Passau, die es produziert und wo es einstudiert wird als Projekt für die Schauspielschülerinnen und -schüler der Abschlussklasse mit der Regisseurin Anna Waibel, die dort ebenfalls studiert hat und eine Spezialistin ist für Kinderstücke. Die Inszenierung wird dann auf unsere Bühne im TiS exportiert. Dieses Unterfangen gehört zu unseren Versuchen einer finanzen- und ressourcensparenden
Zusammenarbeit mit anderen Theaterbetrieben, wie er auch schon mit dem Theater in Kempten begonnen wurde.
Wieder aufgenommen werden drei Produktionen aus der Vor-Saison. Wir spielen wieder Die Erbschaft, Dann haben Sie eben eine andere Weltanschauung und Der geflügelte Froschgott (Nachholtermine).
Auch unsere Stücke aus dem Koffer für Kindergärten führen wir fort. Gezeigt wird weiter Frederick und ein Stück, über das wir gerade noch in Verlagsverhandlungen stehen.
Zudem zeigen wir zwei Klassenzimmerstücke, nämlich Mit gefesselten Fäusten und War doch nur Spaß.
Und ebenfalls weitergeführt wird die Reihe Lyrik ist nicht schwyrik mit Gedichten von Ingeborg Bachmann, Rainer Maria Rilke, Else Lasker-Schüler, Heinz Erhardt, Annette von Droste-Hülshoff, Erich Fried

