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Ingrid Cannonier absolvierte ihre Schauspielausbildung am Mozarteum Salzburg. Es folgten Engagements u.a. am Theater Münster, am Theater Bonn und am Staatstheater Wiesbaden. 2005 gründete sie das Altstadttheater Ingolstadt, das sie fünf Jahre leitete, bevor sie wieder ans dortige Stadttheater zurückkehrte. 2023 ging sie in den Schauspielerinnen-Ruhestand, den sie jetzt unterbricht, um mit Elsa Jean Krakowski eine Rolle in „Eine Mords-Freundin“ zu spielen, der sie nicht widerstehen konnte. Darin spielt sie eine (mutmaßliche) Mörderin, und damit schließt sich insofern ein Kreis, als Ingrid Cannonier das Mord-Opfer in der allerersten Folge der TV-Krimiserie „Derrick“ gespielt hatte.
Frau Cannonier, was mögen Sie an dem Stück „Eine Mords-Freundin“ am meisten?
Ich finde es enorm vielschichtig. Zum einen nimmt es die bürgerliche, die gute Benimm-Gesellschaft aufs Korn. Es zeigt: Wir sind alle Gefangene der Konventionen unserer Gesellschaft. Die Titelfigur, die ich spiele, ist ist eine Riesenherausforderung: Sie ist sehr extrovertiert, sehr schillernd, sehr echt, sie spielt niemandem etwas vor. Insofern ist sie auch eine große emotionale Projektionsfläche für alle anderen Figuren im Stück. Das führt dann dazu, dass es manchmal wahnsinnig schräge Momente gibt, die ganz und gar nicht real wirken.
Warum muss man es gesehen haben?
Weil es wirklich sehr, sehr komisch ist. Aber nicht nur das. Es ist auch sehr hintergründig. Und viele werden sich wiedererkennen: mit ihren Wünschen, Bedürfnissen, Gefühlen. Meine Figur Elsa ist wirklich eine Verführerin…
Was ist Ihr Lieblingszitat aus dem Stück?
Elsas Reaktion auf Mordermittlungen gegen sich: „Können Sie die Ermordeten nicht einfach in Ruhe lassen? Haben Sie nicht genug gelitten? Haben Ermordete kein Recht auf ein bisschen Privatsphäre?“
Wie sind Sie nach Dinkelsbühl gekommen?
Über die Regisseurin, die hat mich hierher empfohlen. Als ich in Ingolstadt das Altstadttheater geleitet habe, hat sie dort sehr erfolgreich inszeniert, und ich habe unter ihrer Regie gespielt.
Und wie behagt es Ihnen hier bisher?
Ich find’s grandios. Eine so schöne Stadt. Das erste Mal war ich vor Weihnachten hier, um meine Kollegin Margret Gilgenreiner in „Dann haben Sie eben eine andere Weltanschauung“ am Landestheater anzuschauen. Da wusste ich noch nicht, dass ich hier selbst mal spielen werde. Aber eines wusste ich damals schon: Den Begriff „Schönste Altstadt Deutschlands“ kann man nur unterstreichen. Herrlich entschleunigt ist die Stadt auch. Und dann: die Störche…!

